Freiburger Wähler – ein Mysterium

Freiburg hat ja schon immer etwas abseits der Wahltrends gewählt, immerhin wurde dort vor 16 Jahren der erste grüne Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt gewählt. Dieses Jahr will Dieter Salomon die dritte Amtszeit in Angriff nehmen, hat es aber am vergangenen Sonntag nicht im ersten Wahlgang geschafft – und bekam nicht mal die meisten Stimmen.

Mehrere KandidatInnen standen zur Auswahl. Im ersten Wahlgang erreichte Martin Horn – parteilos und/aber von der SPD unterstützt – ungefähr 3.000 Stimmen mehr als der Amtsinhaber Salomon. Nicht mal 1.000 Stimmen weniger als Salomon erreichte aber Monika Stein, die vor einigen Jahren aus der Gemeinderatsfraktion der Grünen austrat und nun von einem linken Bündnis als Kandidatin unterstützt wurde. Man könnte als nach dem bundesdeutschen Parteienspektrum sagen, dass 92% der WählerInnen (bzw. 35% der Wahlberechtigten) eine/n Kandidat/in links der Mitte gewählt haben. Allerdings gab’s rechts davon auch so gut wie niemanden, denn die CDU hatte zwar nicht direkt und öffentlich zur Wahl Salomons aufgerufen, Vertreter der CDU aber öffentlich ihrer Präferenz für den Amtsinhaber bekundet. Bei der Bundestagswahl im letzten Jahr bekam die CDU genauso viele Stimmen wie die Grünen – beide Parteien wurden von ca. 22% der WählerInnen gewählt. wobei auch sonst das Gesamtergebnis in Freiburg ziemlich deutlich gegenüber dem Bundestrend abwich, denn die Linke konnte fast doppelt so viele Stimmen verbuchen wie FDP und AfD zusammen. Letztere blieb auch deutlich unterhalb ihres Bundesergebnisses.

Es ist immer mal ganz interessant, Wahlergebnisse mikroskopisch auf Stadtteilebene zu betrachten. Hier drei Karten mit dem Hauptkandidaten:

Auffällig sind ein paar Dinge: Martin Horn schnitt in keinem Stadtteil besonders schlecht ab, holte aber im Bezirk Mooswald-West eine 55%-Mehrheit. Dieter Salomon schaffte dies in keinem Bezirk, jedoch Monika Stein im grünen Vorzeigequartier Vauban, wo man bei der letzten Bundestagswahl mit über 40% für die Grünen stimmte und die CDU nur ein Drittel der Stimmen bekam, die auf die Linke entfielen (tatsächlich näherte sich die CDU im Vauban bedenklich der 5%-Hürde an…). Vergleicht man die Ergebnisse von Salomon und Stein, fällt auf, dass Salomon außerhalb der Innenstadt – insbesondere in den westlichen Vororten – am besten Abschnitt, während es sich bei Monika Stein genau umgekehrt verhält.

Es liegt nahe, hier mal eine Korrelationsanalyse gemäß der Stimmenanteile in den Wahlbezirken bei der Bundestagswahl und dem ersten Wahlgang der OB-Wahl zu machen:

Zum Verständnis: hierbei kann für jede Kombination ein Wert zwischen -1 und +1 herauskommen. +1 würde bedeuten, dass je mehr Menschen in einem Stadtteil eine bestimmte Partei bei der Bundestagswahl gewählt haben, auch bei der OB-Wahl einen bestimmten Kandidaten gewählt haben. Man sieht z.B. bei Monika Stein, dass sie dort besonders schlecht abgeschnitten hat, wo bei der Bundestagswahl verhältnismäßig viel CDU gewählt wurde. Umgekehrt wurde sie dort besonders häufig gewählt, wo bei der Bundestagswahl die Linke gewählt wurde. Letzteres trifft auch – allerdings nicht so stark ausgeprägt – auf das Verhältnis Stein/Grüne zu. Bei Dieter Salomon gilt es genau umgekehrt Seine besten Ergebnisse erzielte er in den CDU-Hochburgen Freiburgs, und seine schlechtesten in den Linke-Stadtteilen. Auffällig auch es gibt eine leichte Tendenz, dass dort wo Salomon gewählt wurde eher nicht Grün gewählt wurde.

Für Martin Horn gibt es weniger Zusammenhänge mit Parteipräferenzen. Tendenziell bekam er dort nicht viele Stimmen, wo grün und/oder links gewählt wurde. Am ehesten ist noch ein Zusammenhang mit den verhältnismäßig kleinen AfD-Hochburgen in Freiburg zu erkennen, aber auch mit CDU und SPD Bezirken.

Man kann sich nun die Frage stellen, ob der amtierende grüne OB von Freiburg eigentlich noch ein Grüner ist, den Grünen Stammwählern ihr Ob nicht mehr grün genug, oder der gemeine CDU-Wähler in Freiburg eigentlich ein Grüner ist.

Mal sehen wie die Auswertung des zweiten Wahlgangs am 6. Mai 2018 aussieht…